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Hildegard von Bingen

Eine der bedeutendsten Mystikerinnen wurde 1098 als zehntes Kind des Edlen Hildebert von Bermersheim (bei Alzey, Rheinhessen) geboren.
Mit etwa acht Jahren wurde Hildegard ihrer Verwandten Jutta von Spanheim übergeben, welche in einer Klause benachbart zum Benediktinerkloster auf dem Disibodenberg wohnte.

Um das Jahr 1113 wurde ihr bewußt, daß sie neben dem äußeren Sehen auch die innere Schau von Geburt an besaß.
Sie legte das Gelübde ab und erhielt den Nonnenschleier aus des Bamberger Bischofs Hand.
1136 wurde Hildegard nach dem Tod ihrer Meisterin Jutta von den Nonnen auf dem Disibodenberg zu ihrer Leiterin gewählt, und sie gab ihr selbstgewähltes Schweigen auf.

Unter dem ständigen Druck der sie überkommenden Visionen begann sie 1141 ihre innere Schau niederzuschreiben.
Es entstand das Werk "Liber Scivias" (Wisse die Wege).
1147/48 ließ Papst Eugen III. auf der Trierer Synode ihre Schriften prüfen, und er erlaubte ihr mit Zustimmung der versammelten Bischöfe zu verkünden, was sie im Heiligen Geist erkannte.

1150 siedelte sie mit etwa 20 Schwestern in das drei Jahre zuvor begonnene Kloster auf dem Rupertsberg über.
In den folgenden acht Jahren entstanden die natur- und heilkundlichen Schriften "Liber simplicis medicinae" (Physica) und "Liber compositae medicinae" (Causae et Curae).

1158 unternahm die Äbtissin Hildegard ihre erste Predigtreise mit den Hauptstationen Mainz, Würzburg und Bamberg.
1160 folgte die zweite,
und 1161-63 ihre dritte bis nach Köln.
1163 beendete sie auch das Buch "Liber vitae meritorum" und begann das Buch der Gotteswerke "Liber divinorum operum".

1165 übernahm Hildegard auch die Leitung des Klosters Eibingen bei Rüdesheim.
Als 72-jährige unternahm sie 1170 ihre vierte Predigtreise nach Schwaben.
1178 erlaubte sie das feierliche Begräbnis eines exkommunizierten Ritters, da sie gewiß war, dieser habe vorm Tod die Absolution erhalten. In weiterer Folge bereitete ihr ihr Widerstand gegen die bischöfliche Behörde einige Schwierigkeiten.

Am 17.September 1179 verstarb Hildegard am Rupertsberg und wurde in einfacher Erde bestattet (und nicht in der Abteikirche wie bei Klostergründerinnen üblich).


Ordo Virtutum

"Ich war zweiundvierzig Jahre und sieben Monate alt, als plötzlich ein blendender feuriger Strahl vom Himmel kam und meinen ganzen Körper durchbohrte. Er entzündete meine Seele, durchrieselte Brust und Gehirn und verzehrte mich sanft, ohne mich zu brennen, oder brannte mich vielmehr sanft, ohne mich zu verzehren. Alsbald fühlte ich mich mit neuer Einsicht begabt, ich verstand die heiligen Schriften; das Verständnis der Psalmen, der Evangelien und anderen Bücher der heiligen Schrift ward mir gegeben, und ich betrachtete die Geheimnisse derselben, ohne die Buchstaben des Textes zu kennen."

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