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Die Malerin

"Hey Sylvie!
Kommst du heute in den Orangenhain zur Ernte? Wird sicher ein Spaß."

"Ach Carla, du weißt ja, ich habe mir doch vorige Woche beim Sportfestival den Knöchel verletzt. Da er noch nicht ganz heil ist, muß ich das Bein noch schonen. Außerdem habe ich Pedro schon zugesagt, ihm beim Restaurieren der antiken Uhren zu helfen; dazu ist eben nicht jeder geeignet. Und ich kann ja nicht die ganze Zeit vor der Staffelei stehen."

"Ich finde, das grenzt schon an einen Spleen, immer nur an dem alten Zeug herumzuwerken. Hast du irgendeinmal gesehen, daß er was anderes macht?"

"Das nicht gerade. Aber du bist doch auch immer so neugierig auf die vielen Leute, die er mit seiner Sammlung anlockt."

"Stimmt. Heute hilft uns sogar eine große Gruppe aus dem Norden, wo immer die leckeren Dörrpflaumen herkommen. Beim Zurückreisen können sie sicher eine ganze Ladung Orangen für ihre Gemeinschaft mitnehmen."

"Na, da bist du ja in guter Gesellschaft und brauchst dich um Unterhaltung sicher nicht sorgen.
Ciao."

"Bis bald."

Die Wege der beiden trennten sich wieder und Sylvie humpelte die paar Häuserblocks zu Pedro, der gerade mit dem Fegen seines großen Vorplatzes fertig wurde.

"Guten Morgen, Sylvie!
Hast du schon gefrühstückt?"

"Ich und frühstücken? Mein Magen kommt immer erst mittags voll auf Touren."

"Du kannst mich trotzdem zu Mickey's begleiten. Die Uhren können heute warten."

Gleich an der nächsten Wegkreuzung war der Salon, ein Treffpunkt für alle Hungrigen und andere.

"Was ist denn hier los? Die Bude ist ja gerammelt voll.
Das können doch nicht alles diese Nordländer sein, von denen mir Carla erzählt hat."

"Stimmt Sylvie, und wenn du sie genauer betrachtest, siehst du, daß viele asiatische Gesichtszüge aufweisen."

"Was tun denn die hier; so viele Exoten hast du ja noch nie mit deinen Uhren angezogen.
Und sind das dort nicht Trüffel in der Theke? Doch bestimmt nicht von den Asiaten."

"Nein, die sind von einer Gruppe Bergländer, die gestern hier einen Zwischenstop einlegten. Ich habe ihnen ein paar Uhrenmodelle gegeben, die ich bereits doppelt hatte. Sie haben nämlich ein Museum alter Techniken gegründet."

Ein älterer Asiate kam auf die beiden zu.
"Darf ich mich vorstellen, ich heiße Ming Ching. Sie sind bestimmt die Künstlerin, die ihre Werke hier ausstellt."

"Stimmt, ich habe ein paar Bilder hier hängen. Wollen Sie etwa eines? Auf meinem Dachboden habe ich noch hunderte herumliegen."

"Es wäre mir eine Ehre, etwas in meine Heimat mitnehmen zu dürfen; und vor allem, Ihre anderen Werke betrachten zu dürfen.
Unverkennbar ist, daß Sie in die Schule der Madame Claremont gingen, doch haben Sie einen gänzlich neuartigen Stil daraus entwickelt."

"Warum denn dieses plötzliche Interesse? Die Madame ist doch bereits vor fast einem Jahrzehnt ins andere Reich hinübergewechselt."

"Haben Sie denn vorige Woche die Planetenzeitung nicht gelesen?"

"Ehrlich gesagt, nein."

"Im Kulturteil standen Sie mit einem ausführlichen Bericht an erster Stelle. Sie müssen nun wohl öfter mit Besuchern rechnen müssen."

Naja, wenigstens bekomm ich meinen Dachboden einmal leer.
Und solange sie mich nicht vom Malen abhalten ...

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