Es war einmal ein König, der hatte eine wunderschöne Tochter, die allerdings schon lange verzaubert, d. h. von einem Drachen gekidnappt und somit der väterlichen Autorität entzogen war.
Zur gleichen Zeit gab es da einen Soldaten, der, aus dem Kriegsdienst entlassen, sich wie damals üblich mit drei Kreuzern, einem Brot und etlichen blöden (gut gemeinten) Ratschlägen versehen arbeitsuchend auf der Landstraße befand.
Zu der Zeit, als die Geschichte spielte, waren die Straßen noch kurvenreich und staubig, vor allem staubig, und entsprechend sah unser Soldat aus; eine Sauerei.
Dem Märchen verbunden ging der Soldat pflichtbewußt auf das Schloß zu und wurde dort auch ohne weitere Formalitäten dem König vorgestellt.
Auch dieser kannte die Geschichte und sagte deshalb, er, der Soldat solle sich beeilen und versprach ihm, wir wissen's, die Hand des Mädchens und das halbe Reich für den Fall der Befreiung.
So machte sich der Soldat auf den Weg ans Ende der Welt, bis er einen alten Mann traf oder eine alte Frau oder ein kleines graues Männchen, Wurscht, der/die/das ihm anschaffte, vom Pferd abzusteigen, seine schönen Husarenkleider und seinen Säbel abzulegen und statt dessen einen alten Sack und zur Waffe einen morschen krummen Prügel anzutun.
Statt des Pferdes erhielt der Soldat - er hieß Hans, war nicht unintelligent aber eben etwas dümmlich - eine Katze.
Die war auf Zack.
Konnte sprechen usw.
Zunächst rasteten sie, Hans schoß eine weiße Hirschkuh, mit der war überhaupt nichts los, er konnte sie essen.
Die Katze nahm Thunfisch.
Anschließend wanderten sie viele Tage und halbe Nächte, bis sie an einen riesigen Garten kamen, in dessen äußerster Ferne man ein von einem See umgebenes Schloß sah, ganz aus Gold.
Dessen ansichtig verlangte die Katze von Hans, ihr nach Ankunft am Drachenschloß, dasselbe war es nämlich, den Kopf abzuschlagen und in den See zu werfen.
Hart kam es Hans an (die Katze war natürlich auch verzaubert, aber wie hätte er das wissen können), so mit dem liebem Kameraden, der das Kätzchen ihm in der Zwischenzeit geworden war, zu verfahren, aber er gehorchte.
Und kaum hatte er den letzten Wunsch des Kätzchens erfüllt, teilte sich der See, die Tore des Schlosses taten sich auf, aus Hans' altem Sackkleid war eine herrliche schwarze eiserne Rüstung und aus dem morschen Prügel ein schweres Schwert geworden, sieben Ellen lang - Hans handhabte es nur mit Mühe - das alles schnitt, Wollflöckchen im Fluß, Ambosse und dergleichen.
So tobte Hans ins Schloß hinein, tötete den Drachen, befreite die Prinzessin und brachte sie auch noch am selben Tage nach Hause, denn der lange Weg zwischen dem verwunschenen Schloß und ihrer Heimat war nun, da der Zauber gebrochen war, nur noch ein Katzensprung; deshalb vorhin die Katze.
Hans heiratete (die Prinzessin), übte mit dem halben Reich und konnte es nach dem Tode des alten Königs, nun selbst auf dem Thron, erstaunlich gut.
Er war ein guter König, mehrte Reich und Reichtum in Frieden, reduzierte die Rüstungsausgaben, drohte dafür eher mal, international erfolgreich, und legte mithin den Grundstein für die soziale Marktwirtschaft.
Die Prinzessin hingegen war ganz Kind ihrer Zeit geblieben. Sie irrlichterte durchs Schloß, richtete aber nichts an und ließ ihr Gespons gewähren, redete ihm nicht blöd drein, so daß er sein gesundes Selbstbewußtsein behielt, und wenn er nicht gestorben ist, so hat er's heute noch.
© Dr. Andreas Weber