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Der alte König Herzelieb (Charles Medwin Dalwes)

Vor langer, langer Zeit, als es noch Zwerge und Feen gab, lebte ein weiser König namens Herzelieb. Er lebte in einem großen Schloss am Ufer eines Silbersees.

Eines Tages ließ der alte König Herzelieb drei Ritter zu sich rufen. Einem der drei Ritter wollte er die Königskrone vermachen, da er selbst keine Kinder hatte.
Dem ersten Ritter, Lothgrim, befahl er: "Bringt mir eine Feder des goldenen Pfauen, welcher dem König Goldpfau gehört. Erfüllt ihr meinen Befehl, so sollt ihr rechtmäßiger König werden."
Dem zweiten Ritter, Helmegard, befahl er: "Pflückt mir den goldenen Apfel, welcher dem ärmsten Bauern des Landes gehört. Erfüllt ihr meinen Befehl, so sollt ihr rechtmäßger König werden."
Dem dritten Ritter, Siegbert, befahl er: "Bringt mir das schönste Mädchen im ganzen Lande. Erfüllt ihr meinen Befehl, so sollt ihr rechtmäßiger König werden."
Schnell machten sich die drei Ritter auf den Weg, um des Königs Wünsche zu erfüllen.

Am Tag darauf ließ der König die drei Ritter wieder in das Schloss bringen.
Er fragte den Ersten: "Ritter Lothgrim, erzählt mir, wie ihr mir die goldene Feder gebracht habt."
Der Ritter kniete nieder und sagte stolz: "Mein König, ich habe dem König Goldpfau den Kopf abgeschlagen und eine Feder des goldenen Pfauen gerupft."
Dann fragte er den Zweiten: "Ritter Helmegard, erzählt mir, wie ihr mir den goldenen Apfel gepflückt habt."
Der Ritter kniete nieder und sagte stolz: "Mein König, ich habe mich an den goldenen Baum herangeschlichen und den Apfel heimlich gepflückt."
Dann fragte er den Dritten: "Ritter Siegbert, erzählt mir, wie ihr mir das schönste Mädchen im ganzen Lande herbeigeführt habt."
Der Ritter kniete nieder und sagte stolz: "Mein König, ich habe dem Mädchen Eisenketten angelegt und es dann in euer Schloss gebracht."
Dann erhob sich der König und sprach: "Ich werde keinem von euch Rittern die Krone vermachen. Ritter Lothgrim, ihr habt dem klugen König Goldpfau den Kopf abgeschlagen. Ritter Helmegard, ihr habt dem ärmsten Bauern sein einziges Gut gestohlen. Ritter Siegbert, ihr habt ein Mädchen in Ketten gelegt und es dann in mein Schloss gezerrt. Keiner von euch Rittern erwies auch nur einen Funken Menschlichkeit in seinen Taten."

König Herzelieb entließ das Mädchen und schenkte ihm die goldene Feder des goldenen Pfauen. Den goldenen Apfel aber ließ er in des Bauern Garten einsetzen, damit diesem ein zweiter goldener Baum wachse.

König Herzelieb herrschte glücklich und zufrieden bis an sein Ende. Und wenn er nicht gestorben ist, so herrscht er noch heute.

© Charles Medwin Dalwes

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